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Auto des Monats - April 2004
Bentley Mk VI, 1950, #B484LEY
Standard Steel Sports Saloon

„Attention to Detail“ lautete die Antwort von Lord Hives auf die Frage,
was die besondere Qualität von Rolls-Royce und Bentley ausmache. Lord
Hives als Vorstandsvorsitzender von Rolls-Royce war der Boß im
Unternehmen. Sein Motto war mehr als ein Slogan – es galt als Credo im
Werk. Exemplarisch zeigt sich an diesem mit Linkslenkung gebauten Bentley,
wie überaus sorgfältig der englische Hersteller Anpassungen und
Umrüstungen bis ins Detail vornahm um den Wagen perfekt für den Export
nach Kanada abzustimmen.
Die Stoßstangen sind Sonderanfertigungen, so flach ausgeführt, wie man es
sonst nur vom Karosseriebauer Freestone & Webb kannte; entsprechend sind
die Abdeckbleche zwischen Stoßstangen und Karosserie adaptiert. Die
Trägerplatte für das vordere Nummerschild weicht deutlich ab von der
Version, die für Rechtslenker Standard war. Nur eine Randnotiz, dass die
Trägerplatte mit einer Öffnung versehen wurde, die beim – eher
unwahrscheinlichen – Ausfall des Starters erlaubte, eine Andrehkurbel
einzustecken um den Motor „nach alter Väter Sitte“ anzuwerfen. Auch im
Heckbereich findet sich ein Unterschied, der nicht unbedingt auf den
ersten Blick zu erkennen ist: der untere Teil der zweigeteilten Heckklappe
zeigt keinen Einsatz für ein von innen beleuchtetes oder ‚hinter Glas’
gesetztes Kennzeichen. Denn weder das eine noch das andere erlaubten die
damals gültigen kanadischen Zulassungsvorschriften. Folglich gibt es hier
ein glattflächiges Blech, versehen mit einer Kennzeichenbeleuchtung und
zwei Rückfahrleuchten.
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Unter
der Motorhaube wartet die nächste Überraschung. Die Gemischaufbereitung
erfolgt über einen Stromberg-Fallstromvergaser und nicht wie üblich über
doppelte SU-Vergaser. In vielen Büchern finden sich „Technische Angaben“
zum Bentley Mark VI. In den meisten wird allerdings unterlassen, auf den
Stromberg Vergaser vom Typ AAV26 zu verweisen, der eine Besonderheit der
linksgelenkten Mark VI aus den Chassis-Serien A bis P gewesen ist. Dass
ein solcher sich bei #B484LEY findet ist Bestätigung für den unveränderten
Original-Zustand des Wagens. So original und komplett wie zum Zeitpunkt
der Auslieferung an den Erstbesitzer (einen kanadischen Holz-Magnaten) ist
in einem abschließbaren Schubfach unter dem Armaturenbrett auf der
Beifahrerseite auch das ab Werk beigestellte Bordwerkzeug noch vorhanden.
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Am Armaturenbrett gibt eine Platte Auskunft darüber, wann der Wagen
‚eingefahren’ war; eingraviert in Sterling-Silber ist die Angabe „27. July
1966, 100,000 Miles“. Der Wagen hat auch über die folgenden Jahre treue
Dienste geleistet – wenngleich unabwendbar einige Abnutzungserscheinungen
auftraten. Die sind behutsam behoben worden. Die Karosserie wurde
überarbeitet und neu lackiert. Neue Teppiche wurden angefertigt und ein
neuer Himmel eingespannt, zudem die Sitzpolster mit taubengrauem Leder neu
bezogen. Nachdem der Bentley Mark VI den Weg auf diese Seite des Atlantik
gefunden hatte, ist die Umrüstung gemäß deutschen Zulassungsbestimmungen
ausgeführt worden. „Attention to Detail“ auch dabei, denn die Blinker
beispielsweise sind Neuanfertigungen solcher, wie sie seit den 50ern als
Zubehör verfügbar waren. Die Abnahme durch den TÜV erfolgte denn auch im
ersten Anlauf. Derzeit zum Verkauf angeboten für 34.000 EURO ist dies
einer der raren Bentley Mark VI mit Linkslenkung und komplettem Zubehör.
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an
Hermann@Memmersheim.de.

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