Mit dem wuchtigen Drehmoment von 835 Newtonmeter - weltweit wurde das
von keinem viertürigen PKW übertroffen - debütierte auf der
IAA/Frankfurt im September 1999 der Bentley Arnage Red Label. Das neue
Modell brachte zum Ausdruck, wofür Volkswagen, nachdem der Konzern für
einen hohen Betrag die Marke Bentley übernommen hatte, weitere Summen zu
investieren bereit war: Bentley-Automobile mit prägnantem Profil zu
etablieren. Die Bezeichnung Red Label verwies auf das rot eingelegte
Firmenemblem "Winged B" und grenzte die Neuvorstellung vom
Bentley Arnage Green Label ab.
Im
Gegensatz zum Green Label, der mit einem von
BMW gelieferten V8 mit 4 ½ Litern Hubraum bestückt war, war in den
Motorraum des neuen der "alte" V8 mit 6 ¾ Litern Hubraum
eingepaßt, der auch den großen Continental-Coupés und dem Cabrio Bentley
Azure Vortrieb gab. Und die Art dieses Vortriebs war unvergleichlich,
weil der Hubraumriese in Verbindung mit dem perfekt abgestimmten
Turbolader schon bei geringer Drehzahl gewaltigen Schub bereitstellte;
eben die besagten 835 Newtonmeter bereits bei 2.100 U/min.
Indessen war es keine leichte Aufgabe gewesen, den "alten"
Motor (dessen Urform schon 1959 beim Bentley S2
Premiere gefeiert hatte!) auf die Anforderungen der Neuzeit zu trimmen,
etwa bezüglich Abgasverhalten. Die digitale Motorsteuerung erfolgte über
ein Zytek EMS3-System und das bedingte sehr aufwendige Anpassungen, um mit
den anderen elektronischen Reglern - weit überwiegend Bosch-Produkte - zu
kommunizieren. Als der Bentley Arnage 4 ½ Liter, der als Modell Bentley Arnage
Green Label im Programm blieb, ursprünglich konzipiert worden war,
hatte es keine Probleme hinsichtlich Kompatibilität gegeben, denn der
elektronische Motorregler für das BMW-Aggregat stammte ebenfalls von
Bosch.

Bentley Arnage Red Label, 1999, #YCX4001. Dieser als Vorführwagen mit
Schweizer Kennzeichen zugelassene Bentley Arnage Red Label zählt zu den
ersten überhaupt fertiggestellten Wagen, denn er trägt eine der
frühestmöglichen Chassis-Nummern. (Photo: H.P.Koch)
Die Vorderachse des Bentley Arnage Red Label war komplett überarbeitet
worden. Das war unumgänglich, weil das neue Modell - nicht zuletzt
infolge des "Big-Block"-Motors - gegenüber dem
hubraumschwächeren Schwestermodell über 200 Kilogramm mehr Leergewicht
aufwies. Hier liegt wohl auch zum Teil die Erklärung für die
Vergrößerung des Durchmessers der Bremsscheiben auf 348 mm vorn und 345
mm hinten. Von der verbesserten Bremsanlage profitierte auch der Green
Label - ebenso wie von einer Optimierung des Karosseriekörpers im hinter
dem B-Pfosten liegenden Bereich. Ohne Veränderung der äußeren
Gestaltung wurden dadurch für die hinten Sitzenden 5 cm mehr Knieraum
erzielt.
Die Finanzkraft des neuen Eigentümers erlaubte zudem, eine Vielzahl
weiterer Entwicklungen in die Serie einfließen zu lassen; nennenswert
darunter die klappbaren Außenspiegel und das satellitengestützte
Navigationssystem. Mit einem Prototypen, ausgestellt anläßlich des
Pariser Salons im September 2000, wurde die Kundenreaktion auf einen
Bentley Arnage Red Label mit verlängertem Radstand getestet. Der um gut
25 Zentimeter (!) verlängerte Wagen mit einer außerordentlich
aufwendigen Ausstattung, einschließlich Trennscheibe, fand positive
Aufnahme. Ohne große Verzögerung wurde bereits im Januar 2001 bei der
nächsten wichtigen Autoshow, der in Detroit, die Ausführung mit
verlängertem Radstand als Serienmodell eingeführt. Subtil verlängerte
Türen vorne wie hinten sorgten für ein harmonisches Gesamtbild. Man
hatte sorgsam den Fehler vermieden, lediglich Bodengruppe und Dach zu
verlängern und über eine eingepaßte Mittelpartie den Bentley mit seiner
optischen Anmutung auch nur in die Nähe von "Stretchlimousinen"
geraten zu lassen. Der Zunahme an Länge wie Gewicht wurde Rechnung
getragen mit neuer Abstimmung von Federung und Lenkung sowie neu
kalibrierten Bremsen. Im Effekt gelang es, die überlegenen
Fahreigenschaften mit nach wie vor sportlichen Beschleunigungswerten zu
kombinieren mit einem durch den Raumzuwachs erheblich gesteigerten Komfort
für die Passagiere.

Bentley Arnage Red Label, 2002, #1CX064966
Technische Daten:
8 Zylinder in V-Form, Zylinderreihen im 90-Grad-Winkel;
Leichtmetall-Motorblock, Bohrung x Hub 104,14 mm x 99,06 mm, Hubraum 6.750
ccm; Leichtmetall-Zylinderköpfe; Zytek EMS3 Motormanagement für
Einspritz- und Zündvorgänge; Garrett AiResearch Turbolader mit
Ladeluftkühlung und Boost Funktion; Leistung: 405 PS/298 KW bei 4.000
U/min; max. Drehmoment 835Nm bei 2150 U/min; Hinterradantrieb;
4-Gang-Automatik; Automatische Stabilitätskontrolle ASC
(Drehmomentbegrenzung/Bremseneingriff an der Hinterachse);
Einzelradaufhängung mit Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern;
Stabilisatoren vorne und hinten; hydropneumatische
Girling-Niveauregulierung hinten, rundum innenbelüftete Scheibenbremsen
(vorn 348 mm, hinten 345 mm), Vierkanal-Antiblockiersystem; Radstand 3.116
mm (ab 2001 optional Version mit langem Radstand 3.366 mm), Spurweite vorn
1.608 mm, hinten 1.608 mm; Reifen 255/50 R18; Geschwindigkeit: max. 245
km/h