Ein Rennwagen-Modell wurde im Maßstab 1:8 vorgestellt, als Bentley Motors gegen Ende des Jahres 2000 die Absicht erklärte, wieder auf die Rennstrecke von Le Mans zurückzukehren und sich beim 24-Stunden-Rennen zu engagieren. Das war ein wagemutiges Vorhaben, denn den letzten Sieg hatte die Marke mit dem geflügelten B Anfang der 30er Jahre auf dem Sarthe-Kurs errungen. Im Werk in Crewe gab es zwar die Voraussetzungen, um Bentley und Rolls-Royce Seite an Seite zu produzieren - aber von Einrichtungen für den Bau eines komplett neuen Wettbewerbsfahrzeuges gab es keine Spur.
Im Werk gab es zu dem ambitionierten Vorhaben nur Relikte: alte Fotos als Dokumente,
daß Bentley vor mehr als 70 Jahren dominiert hatte, indem bei acht Starts fünfmal ein Bentley als Sieger die Ziellinie passiert hatte. Für den neuen Anlauf nach langer Pause waren die Voraussetzungen indessen viel besser als manche Kritiker ins Kalkül zogen. Fest verwoben in das Markengeflecht des VW-Konzern war der Zugriff möglich auf alle Vorzüge, die sich für dies Vorhaben zur Nutzung anboten. Ohne Zweifel der wichtigste war, dass eben kein „Zeitloch“ von sieben Dekaden den Neubeginn bei Null diktierte. Vielmehr hatte die Konzerntochter AUDI neben anderen Erfolgen noch im Vorjahr den Sieg in Le Mans an ihre Fahnen geheftet - damit lagen hausintern im Konzern eine Fülle an Daten und Erfahrungen vor, die Bentley bei der Neuentwicklung Zeit und Kosten zu sparen halfen.
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Als der Bentley EXP Speed 8 vorgestellt wurde, trug er als Herzstück den V8-Motor aus dem AUDI Rennwagen. Ein cleverer Rückgriff auf vorhandene Ressourcen, denn das mit vier Ventilen pro Zylinder bestückte und von zwei Turboladern beatmete 90º-Triebwerk mit 3.600 ccm hatte längst seine Reifeprüfung bestanden. Angeflanscht war
ein sequentiell geschaltetes X-trac &-Gang Getriebe. Ausgestattet mit elektronischen Steuergeräten nach neuestem Stand und Hochleistungsbremsen wurde die Antriebseinheit in einen geschlossenen
Fahrzeugkörper gebaut. Den bildete, ebenso wie Teile des Fahrwerks, eine Hülle aus hochfester Kohlefaser. Ein geschlossener Aufbau bot nach den für das Rennen von Le Mans gültigen Regeln gegenüber einem offenen Wagen den Vorteil, dass für den Doppelturbo ein Luftmassenbegrenzer mit größerem Durchmesser erlaubt war. Dem stand als möglicher Nachteil gegenüber, dass die Reifenbreite geringer als bei offenen Versionen sein musste.
Letztendlich darf nicht völlig außer Betracht gelassen werden, daß AUDI in 2001 zwei offene Wagen für die 24-Stunden von Le Mans gemeldet hatte - und die eine Marke des Mutterkonzerns von der anderen ausstechen zu lassen, hätte keinen Sinn gemacht.
Beim Rennen 2001 drohte der ganze Aufwand - endlose Windkanal- und
Rennstreckentests - an einer Geringfügigkeit zu scheitern: Heftige
Regengüsse beeinträchtigten die Schaltelektronik bei beiden eingesetzten
Bentley EXP Speed 8. Ein Wagen fiel aus, der zweite verlor viel Zeit in
der Box. Trotzdem hielt er sich über die Dauer des gesamten Rennens so
gut, dass er nach Ablauf der 24 Stunden auf dem 3. Platz liegend
abgewunken wurde. Beim Rennen 2002 kam nur ein Bentley EXP Speed 8 zum
Einsatz und landete auf dem undankbaren 4. Platz. In 2003 kamen fanden
sich sich wieder 2 Wagen, umfassend überarbeitet gegenüber den Vorgängern,
in der Startaufstellung. 24 Stunden später überfuhr einer davon (Start Nr.
7) die Ziellinie als Sieger.
Was gegen Ende des Jahres 2000 als Modellauto nur eine Vision verkörpert
hatte, war dank Engagement von Technikern und Fahrern Realität geworden:
Nach mehr als 70 Jahren stand wieder ein Team von Bentley Boys als Sieger
der "24 Stunden von Le Mans" auf dem Podest...
Technische Daten: Kohlefaser-Monocoque und selbsttragende Kohlefaser-Karosserie, Radstand 2.730 mm, Länge 4.630 mm, Gewicht 900 kg; 90º-V8 Motor mit 3.600 ccm, pro Zylinder 4 Ventile, 2 obenliegende Nockenwellen je Reihe, 2 Turbolader, Trockensumpfschmierung, Bosch 2.8 Motor-Management, Leistung: 600+ PS; Xtrac 6-Gang-Getriebe, pneumatische Megaline-Steuerung, AP Racing Mehrscheiben-Kupplung; Fahrwerk mit doppelten Dreiecksquerlenkern vorn und hinten, Torsionsfedern vorn, Spiralfedern hinten, Teleskopdämpfer; rundum innenbelüftete Scheibenbremsen, AP Racing-Bremssättel mit 6 Kolben; Geschwindigkeit 320+ km/h.