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Auto des Monats - Februar 2010
Bentley 4 Liter, 1931, #VA4100
Cabriolet von Freestone & Webb

Dieser Bentley 4 Liter trägt die letzte
Chassis-Nummer, die einem Fahrgestell zugeteilt worden ist, bevor das
Unternehmen von W.O. Bentley im Jahr 1931 Konkurs anmelden musste und sich
die Tore des Werks in Cricklewood für immer schlossen. Bei Freestone & Webb
mit einem Aufbau als 2-türiges Cabrio versehen, dauerte es bis 1933, bevor
sich für den Wagen schließlich ein Käufer fand und die Zulassung erfolgte
mit dem Kennzeichen ALC250. Schuld trug an dieser Entwicklung die
Weltwirtschaftskrise – wobei indessen gerade mit Bezug auf den Bentley 4
Liter häufig Vorwürfe formuliert worden sind, gerade dieses Modell habe zum
Niedergang des Unternehmens beigetragen.

Tatsächlich sind nur 50 Exemplare vom Bentley 4 Liter entstanden und bei
objektiver Betrachtung eignet der sich nicht als Sündenbock. Vielmehr hatte
der Vorstand des chronisch finanzschwachen Unternehmens über Jahre nicht
vermocht, Schwachstellen auszumerzen. Die Übernahme der Aktienmehrheit durch
Woolf Barnato brachte allenfalls eine Atempause – wobei man die Übernahme
und was dann folgte, heute als ein Lehrstück für die Vorgehensweise von
"Heuschrecken" ansehen könnte. Barnato selbst kam auch beim Konkurs quasi
ungeschoren davon – nutzte Insiderwissen, um den Erwerb durch Rolls-Royce zu
steuern und bekleidete dann über mehr als ein Dutzend Jahre einen
Direktorenposten bei Rolls-Royce. W.O. Bentley hingegen empfand die
Folgezeit als Absturz und äußerte über den Bentley 4 Liter kein gutes Wort.
Sein 1964 erschienenes Buch "An Illustrated History of The Bentley Car" mit
vielen autobiografischen Abschnitten nennt kaum Details zu diesem Modell; in
einem Nebensatz auf Seite 148 findet "the unfortunate 4-litre" Erwähnung.

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Dabei war dem Vorstand von Bentley grundsätzlich kein Vorwurf zu machen,
weil der auf den verheerenden Absatzeinbruch durch die Weltwirtschaftskrise
reagieren wollte, indem man ein ‚kleines’ Modell mit nur 4 Litern Hubraum
dem ‚großen’ Bentley 8 Liter zu Seite stellte. Als Antriebsquelle einen
Motor zu wählen, für den das Konzept nahezu einbaufertig von Ricardo bezogen
werden konnte, bot den Vorteil, zügig mit einem neuen Modell auf die
veränderte Marktsituation zu reagieren. Der durchzugsstarke Motor
überfordete weder Getriebe noch Fahrwerk und war kostengünstig zu
produzieren. Der gelegentlich geäußerte Einwand, dass die Konzeption zu
wünschen übrig ließ, ist Unsinn angesichts der Tatsache, dass sich exakt
diese Konzeption nach dem II. Weltkrieg bei den hinsichtlich
Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit zu Recht gelobten 6-Zylinder
Reihen-Motoren findet, die bei Bentley Mark VI,
R-Type und S1 (und den
Schwestermodellen von Rolls-Royce) zum Einbau kamen. Ricardo hatte Bentley
schon 15 Jahre früher ermöglicht, solch ein "Sahnestück" unter der
Motorhaube zu platzieren.

Indessen ist es ein Ding der Unmöglichkeit, vorgefaßte Meinungen zu kippen,
die über Jahre in alle möglichen Publikationen Eingang gefunden haben.
Sollte der eine oder andere Leser mal eines Bentley 4 Liter ansichtig
werden, lautet der Rat, diesem Modell – auch wenn es für W.O. Bentley ein
"ungeliebtes Kind" war – Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Das war ein
tapferer Versuch, gegen Widerstände im eigenen Haus, mit einem konzeptionell
vielversprechenden Modell zu punkten; leider wegen widriger Umstände auf
einem krisengebeutelten Markt kein Erfolg.

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