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Auto des Monats - Januar 2009
Bentley S3, 1964,
#B154LEC
Saloon mit Radford 'Countryman' Sonderausstattung

Nach dem II. Weltkrieg verringerte sich die Zahl der Karosseriebau-Betriebe
rapide. Zu Anfang der 60er firmierten als unabhängige Karossiers gerade noch
James Young und Harold Radford (Coachbuilders) - denn H.J. Mulliner und Park
Ward waren von Rolls-Royce aufgekauft und unter einem Dach vereint worden.
Dabei ist bemerkenswert sowohl die Tatsache, dass Harold Radford mit ersten
Kreationen, (es handelte sich um Karosserien auf Chassis Bentley Mark VI)
überhaupt erst nach dem II. Weltkrieg sein Debüt gegeben hatte. Und binnen
kurzem kam er zu der Einsicht, dass sein Unternehmen nur überleben konnte,
wenn er sich den Marktgegebenheiten stellte. Und die besagten, dass die
Nachfrage nach individuellen, kompletten Aufbauten eingebrochen war. Harold
Radford zog die Konsequenz und konzentrierte sich auf die Veredelung von
Rolls-Royce und Bentley.

Einfallsreich und attraktiv, in gediegener Qualität handwerklich perfekt
ausgeführt, bot er eine Vielzahl von Extras, mit der für Rolls-Royce und
Bentley die "ab Werk" gebotene Ausstattung enorm aufgewertet werden konnte;
exakt abgestimmt auf die Wünsche des Kunden. Mit einiger Berechtigung
verdient Harold Radford die Anerkennung, die Pionierarbeit geleistet zu
haben in dem sehr profitablen Segment „Bespoke“, das heute sowohl bei
Bentley wie bei Rolls-Royce für die aktuellen Modelle eine wichtige Rolle
spielt (wenngleich die Marken bereits seit Jahren völlig eigene Wege gehen,
wird bei der einen wie bei der anderen dieser Marktbereich mit größter
Umsicht bedient!).
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Beim hier gezeigten Bentley S3, #B154LEC, finden sich in großer Zahl die
Extra-Ausstattungen, wie sie von Harold Radford (Coachbuilders) Ltd. in
einem Katalog von 1962 aufgelistet waren. Die Rücksitzbank ist teilbar und
erlaubt dank klappbarer Sitze und Lehnen aus dem Kofferraum auch sperriges
Gepäck durchzuladen. Unter der Woche ließ sich der Bentley S3 distinguiert
als Geschäftswagen nutzen, am Wochenende erlaubte er, Angelruten zu
verstauen oder anderes Sportgerät. In die Rückenlehne der Vordersitze
eingebaut waren Kosmetik-Utensilien ebenso wie ein Barfach (ergänzt um eines
in der Mittelarmlehne) und ein Zigarren-Humidor mit einer
Komplettausstattung an Raucher-Besteck.

Die
vorderen Türen boten auf die Flaschenabmessung passgenau gearbeitete
Extrafächer für Erfrischungsgetränke auf der einen Seite. Auf der anderen
Seite fand sich der Stauraum für ein Kosmetik-Köfferchen, das farblich exakt
auf die Lederfarbe der Innenausstattung abgestimmt war. Womöglich war Harold
Radford damals sogar schon so weitsichtig, die selten ausgesprochene
Wahrheit zu berücksichtigen, dass die eigentliche Kaufentscheidung häufig
durch die Frau getroffen wird, deren Mann den Kaufvertrag unterschreibt? ?
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Ray Koziol, der so liebenswürdig gewesen ist, die hier gezeigten Bilder zur
Verfügung zu stellen, besitzt zu seinem Auto auch die ursprünglich erstellte
Rechnung. Dort ist belegt, dass der Vertragshändler Inskip in New York für
diesen Saloon mit Harold Radford "Countryman" Sonderausstattung einen
Kaufpreis in Rechnung stellte, der ca. 25% höher lag als der Betrag für die
Standard-Variante. Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen
Geschmack zu haben...

(Photos: Ray Koziol, USA)
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