|
Main
Index
Bücher
Ausführliche Informationen
Modelle
Alle Modelle seit 1904
Highlights
Coachbuilder, Special Cars...
Album
1998
Die "Autos des Monats"
 |
|
Auto
des Monats - Juni 1998
Rolls-Royce Silver Ghost, 1913, #2260E,
Portholme Tourer nach Entwurf Radley/Morrison
|

Anläßlich der Wiederholung der Alpenfahrt in 1993 traf Radley`s
Rolls-Royce Silver Ghost, nunmehr im Besitz von J. Kennedy, auf einen
weiteren Teilnehmer, der die Zeit überdauert hatte: H. Tratnik erschien
mit einem Praga Grand, der für die Österreichische Alpenfahrt von
Armbruster in Wien als Batterie-Kommandantenwagen eingekleidet worden war.
Zum Österreichisch-Ungarischen Imperium, bekannt als die K.u.K.
Monarchie, gehörten auch große Teile Norditaliens und auf dem Balkan
unter anderem Slowenien und Kroatien, mithin ein Riesenbereich des
Alpenraums. Die über die steilsten Alpenpässe dieser Ländergruppe -
damals häufig rüde Schotterstrecken - führende k.u.k Österreichische
Alpenfahrt gehörte ganz gewiß zu den anspruchsvollsten Testfahrten für
Automobile. Bei einem privat gemeldeten Rolls-Royce Silver Ghost für die
Alpenfahrt 1912 passierte dem Fahrer das Mißgeschick, daß er an der 26%
Steigung am Katschberg den Motor abwürgte und Strafpunkte kassierte. Für
das folgende Jahr 1913 meldete Rolls-Royce ein Werksteam - und diese
Silver Ghost dominierten den Wettbewerb regelrecht. Die Fahrzeuge waren
dermaßen überlegen, daß sie z.B. in geschlossener Formation hinter
Innsbruck den eine Stunde früher gestarteten Wagen mit dem offiziellen
Zeitnehmerteam überholten und dann brav oben auf der Paßhöhe warteten,
damit die Zeitnehmer die Teilnehmerkarten der Rolls-Royce abstempeln
konnten.
Außen
am Rahmenlängsträger fand sich der Benzinhahn, um vom Hecktank auf den
zusätzlich montierten Langstreckentank umzuschalten.
|
Auch der Unglücksrabe des Jahres 1912, James Radley, hatte 1913 erneut
privat gemeldet und setzte den hier gezeigten Alpenwagen ein. Der Aufbau
stammte von Portholme und war gebaut nach Design Radley-Morrison. Ebenso
wie die Werkswagen verfügte dies Fahrzeug über einen speziellen
Langstreckentank und eigens abgestimmte Federpakete. Die
Wettbewerbsvorschriften verlangten, daß Kühler und Motorhauben verplombt
wurden. F. Henry Royce, der Chefingenieur von Rolls-Royce, war stets offen
für die Prüfung und Übernahme guter Lösungen anderer Konstrukteure. So
trugen die Getriebe eine aufgenietete Platte "The interlocking device
on this gearbox .... is under license from Daimler Motorengesellschaft,
Stuttgart Untertürkheim". Für den Dampfseparator auf dem Kühlerverschluß
hatte er sich an den FIAT-Wagen der Alpenfahrt 1912 orientiert. Sein
Kommentar zu Radley's frivoler Entscheidung, statt einer -bekleideten -
Spirit of Ecstasy eine nackte "Speed Nymph" auf die Säule zu
setzen, ist nicht überliefert. Dieser Rolls-Royce Silver Ghost hat mit
John Kennedy am Steuer die Alpenfahrt-Wiederholung des Jahres 1993 genauso
pannenfrei absolviert wie 80 Jahre zuvor. Und wieder waren Kühler und
Motorhaube verplombt! |
Die umfangreiche Instrumentierung umfaßte auch einen Neigungsmesser und
einen Höhenmesser - montiert an der Lenksäule - um
Gemischzusammensetzung und Zündzeitpunkt entsprechend hochalpinen
Bedingungen exakt regulieren zu können.
|
| Seitenanfang |

Auf den Trittbrettern montiert waren Werkzeugkasten und Batteriebehälter
und auf dem Kühler montiert war ein säulenförmiger Dampfseparator.
James Radley's persönliche Kühlerfigur war eine "Speed Nymph"
(siehe oben).
|
|