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Auto des Monats - Mai 2005
Bentley Azure, 1997, #SCBZK15C5VCX61111
Cabriolet von Mulliner Park Ward

Zu häufiger Gebrauch, gelegentlich Mißbrauch, des Begriffes „Klassiker“
hat eine gewisse Abwertung zur Folge gehabt. Auf den
Bentley Azure indessen trifft die Bezeichnung in ihrem ursprünglichen
Sinn voll und ganz zu. Die aus dem Bentley
Continental R abgeleitete Cabrio-Version zeigte sich fabelhaft gut
gelungen – mit eleganten Linien und überragenden Fahrleistungen
begeisterte sie bei der Markteinführung und über die folgende Dekade blieb
die Anerkennung ungemindert.
Das Haus Pininfarina bewies eine glückliche Hand bei der Umsetzung des
Auftrages, auf Basis des Grand Touring Coupé Bentley Continental R eine
Variante für Offenfahrer zu kreieren. Als das Cabriolet 1995 vorgestellt
wurde (den Continental R hatte es seit 1991 gegeben), war es der erste neu
geschaffene Offenfahrer bei Bentley seit fast 30 Jahren. Man mußte bis ins
Jahr 1967 zurückgehen, als zweitürige Bentley T mit
Klappdach erschienen (ab 1971 aufgewertet zu Bentley
Corniche, ab 1982 geführt als Bentley Continental).
Die Kooperation mit Pininfarina beschränkte sich nicht nur auf das Design
des neuen Bentley Azure, vielmehr erfolgten maßgebliche Fertigungsschritte
in Italien. Denn die Montage des Dachmechanismus erfolgte bei Pininfarina
und die Wagen wurden auch dort lackiert. Die Karosseriebau-Division
Mulliner Park Ward übernahm dann in Crewe die Fertigstellung, unter
anderem Komplettierung mit technischen Komponenten, Innenraumausstattung
und Endabnahme.

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In technischer Hinsicht profitierte der Azure von der just zu dieser Zeit
erfolgenden Aufwertungsphase beim „Basismodell“ Continental R für das
Modelljahr 1996 (Änderungen flossen ab Juni 1995 in die Serie ein).
Revidierte Zylinderköpfe und effizientere Gemischaufbereitung,
flüssigkeitsgekühlter Turbolader und ZYTEK Motor-Elektronik führten zu 8
Prozent höherer Motorleistung bei gleichzeitiger Absenkung der
Verbrauchswerte um 7 Prozent. Umgekehrt profitierte der Continental R
später davon, dass die ergonomisch bemerkenswert gut gelungenen Sitze mit
integrierter Führung der Sicherheitsgurte, die es zunächst nur beim Azure
gab, auch beim Coupé Standard wurden.
Kein Raum für kritische Anmerkungen also mit Bezug auf Bentley und den
Azure? Aber gewiß doch! Das Jahr 2002 als Zeitpunkt der
Produktionseinstellung zu wählen war eine Fehlentscheidung des
Managements. Gewiß markierte der neue Bentley Continental GT, in welche
Richtung sich die Marke orientieren würde und es war erklärte Absicht,
dass daraus abgeleitet ein Cabriolet ebenso wie eine viertürige Version
folgen würde, die inzwischen als Bentley
Continental Flying Spur vorgestellt wurde. Die Zeitdauer zwischen
Einstellung des Azure und Vorstellung des zukünftigen Cabrios indessen
zeigte sich als eklatante Lücke. Die ist gefüllt worden mit der
Interim-Lösung des Bentley Arnage Drophead Coupé – dessen
Modellbezeichnung nicht ausdrückt, dass ihm durchaus berechtigt größere
Familien-Ähnlichkeit mit dem Azure zuzusprechen wäre.

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