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Die "Autos des Monats"

Mehr zu Rolls-Royce:

 Rossfeldt: Rolls-Royce and Bentley / From the Dawn of the 20th Century into the new Millennium  

 

 

 

 

Auto des Monats - Oktober 2022
Rolls-Royce Silver Ghost, 1919, #12LW,
 Sport-Zweisitzer des Earl of Rocksavage


Rolls-Royce Silver Ghost

In Kreisen der englischen Aristokratie genossen der Earl of Rocksavage ebenso wie seine Frau Sybil einen Ruf als ausgeprägt Motorsport-Begeisterte. Über die Jahre erwarben sie, neben anderen Automobilen, acht Bugatti verschiedener Modellserien. Den ersten Bugatti hatte Lord Rocksavage im Jahr 1918 gekauft während der letzten Monate des I. Weltkriegs als Gebrauchtwagen. Der vorherige Besitzer war niemand anderes als F. Henry Royce, der sich 1916 den Bugatti zugelegt hatte, um mit dem Kleinwagen mit 4-Zylindermotor ‚automobil’ zu bleiben, nachdem die Behörden kriegsbedingt seine Benzin-Zuteilung auf lediglich ca. 4 Liter pro Woche rationiert hatten (siehe Details in "Auto des Monats September 2022").

Rolls-Royce Silver Ghost

Das von Royce übernommene Auto muss auf seine Lordschaft starken Eindruck gemacht haben – es war in perfektem Zustand, denn der Chefingenieur von Rolls-Royce und sein Team hatten es zu Studienzwecken wiederholt zerlegt und mit gewissen Verbesserungen zusammengebaut. Es ist dokumentiert, dass der Earl of Rocksavage quasi unmittelbar nach Ende der Kampfhandlungen einen brandneuen Bugatti Typ 22 bestellt hat und ihm 1919 ein solcher, mit Chassis-Nummer #777, geliefert worden ist. Dem Vernehmen nach war es der erste Wagen aus dieser Modellserie, der in England mit einem Motor mit 4 Ventilen pro Zylinder zur Auslieferung kam. Es darf allerdings nicht verschwiegen werden, dass bei einem Radstand von lediglich 2.550 mm die Abmessungen des 2-Sitzers zu Kompromissen zwangen hinsichtlich Komforts der Insassen – und der Gepäckraum tendierte gegen Null.

Bugatti Typ 22

Indessen stellten monetäre Aspekte keinerlei Problembereich dar für den Earl of Rocksavage (der einige Zeit später den Titel 5th Marquess of Cholmondeley erben sollte). Ihm war es problemlos möglich, sich am anderen Ende des Spektrums ebenfalls zu orientieren. In der Vergangenheit war er bereits mehrfach Kunde für Rolls-Royce Silver Ghost gewesen und im gleichen Jahr, als er den Bugatti 22 erwarb, orderte er auch einen neuen Rolls-Royce Silver Ghost. Für den spezifierte er ausdrücklich die ‚schnelle’ Ausführung nach Alpine-Eagle-Spezifikationen, die auf Erfahrungen mit dem Werkseinsatz von Wettbewerbsfahrten bei den "k.u.k. Oesterreichischen Alpenfahrten" beruhten. Das Fahrgestell sollte mit einer entsprechenden Hinterachs-Übersetzung und einem Motor mit höherer Verdichtung ausgestattet werden. Die Werksunterlagen für #12LW dokumentieren, dass besondere Umsicht auf herausragende Beschleunigungswerte zu richten war und extra steife Blattfedern verlangt wurden für hohes Tempo bei Touren auf dem Kontinent.  Der von Barker gefertigte 4/5-sitzigen Tourer Aufbau, relativ schwer, erfüllte die Wünsche von Lord Rocksavage und seiner Frau nicht vollkommen. Prompt wurde zu Anfang der 1920 ein 2-sitziger Skiff von Offord auf das Chassis gesetzt. Mit einer Form, die Anleihen aus dem Bootsbau zeigte, präsentierte sich #12LW als einer der sportlichsten Silver Ghost, die je entstanden sind. Ein Foto aus einer Ausgabe der Zeitschrift ‚Autocar’ aus Februar 1922 zeigt Lord Rocksavages Silver Ghost vor den Garagen von ‚Le Canadel’ in Südfrankreich. ‚Le Canadel’ war die Villa an der Cote d'Azur, wo F. Henry Royce die Wintermonate zubrachte; in einem separaten Gebäude befanden sich Büros für sein Konstruktions-Team. Offensichtlich kannten sich Lord Rocksavage und F. Henry Royce gut, ein freundschaftlich geprägtes Verhältnis ist anzunehmen.

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 Rolls-Roye Silver Ghost

Zu irgendeinem Zeitpunkt über die späteren Dekaden wurde auch der zweite Aufbau von Offord & Sons ersetzt im Austausch gegen einen Aufbau, wieder ein 2-Sitzer, der stammte von einem Franklin, Baujahr 1908, einem Sportwagen aus US-Produktion. Die Kombination des Chassis von #12LW aus 1919 mit der Karosserie aus 1908 ergab ein attraktives Resultat. Dabei verdient besondere Betonung die Tatsache, dass ein sehr kraftvoller Sportwagen mit beeindruckenden Fahrwerten erhalten blieb. Für Cognoscenti gibt es kaum Anlaß zu zweifeln, dass die Bugatti-Erfahrungen von Lord Rocksavage eingeflossen sind in den  betont sportlichen Charakter seines neuen Rolls-Royce Silver Ghost.

Rolls-Royce Silver Ghost

Mit besonderem Dank an Steve Hubbard (UK). Er hat erstellt, was als DAS STANDARD-NACHSCHLAGEWERK gilt mit Bezug auf R-R Silver Ghost aus der Periode nach dem I. Weltkrieg. In dieser Zeit sind mehr als 5.000 der insgesamt über 7.000 Silver Ghost entstanden und das 3-bändige Werk "The Vintage Silver Ghost" bietet einen fabelhaft detaillierten Überblick auf 1.536 Seiten mit ca. 800 Fotos. Zu investieren sind als Preis ca. 500 Pfund Sterling, es ist erhältlich beim Autor; falls eine Bestellung übermittelt wird an info@rrab.com wird die entsprechend weiter geleitet.


 

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