|
Startseite
Bücher
Ausführliche Informationen
Modelle
Alle Modelle seit 1904
Highlights
Coachbuilder, Prototypen, Special Cars...
|
|
Mulliner
Park Ward
Bei der Zusammenfassung beider Betriebe hatte Rolls-Royce noch die
Lindwurmbezeichnung H.J. Mulliner, Park Ward gewählt. Zuerst schliffen
sich die Initialen H.J. ab, dann entfiel das Komma zwischen den Namen und
letztendlich erhielten die Gummimatten zum Schutz der Teppiche nur noch
den Eindruck "MPW".
Nach dem Umzug aus Chiswick (Mulliner) bzw. Willesden (Park Ward) in
ein Werk in Londons Hythe Road baute eine Belegschaft, die etwa 700
Mitarbeiter umfaßte, Sonderkarosserien. Damit versehen wurden die letzten
Modelle, die Rolls-Royce als Fahrgestell mit Motor produzierte. Bis 1968
war das der Rolls-Royce Phantom V, den dann der Rolls-Royce Phantom VI ablöste,
dessen Produktion 1991 auslief. Außerdem entstanden Cabriolets auf Basis
Rolls-Royce Silver Cloud II und Silver Cloud III sowie für die
Schwestermodelle Bentley S2 bzw. S3. Ebenso wurden Anpassungsarbeiten für
die Aufbauten der Versionen mit langem Radstand vorgenommen.

Rolls-Royce Silver Cloud III
Karosseriebau im engeren Sinn, d.h. die komplette Schaffung eines
Aufbaues mit eigener Linienführung, war dadurch nicht ausgeschlossen.
Deren Stückzahl etwa für Bentley S2 Continental und Bentley S3
Continental war aber nur noch gering. Einerseits war die Arbeit inzwischen
so teuer geworden, daß der Preis auch für wohlhabende Kunden eine
Barriere bildete. Andererseits verfügte die Standardkarosserie ab Werk über
eine so brillante Qualität, um auch auch anspruchsvolle Kunden vollauf
zufriedenzustellen. Für den Rolls-Royce Silver Cloud III bestand sogar
die Wahl, die vorher allein den schnellen Bentley S Continental
vorbehaltenen Aufbauten mit sportlicher Linienführung ordern zu können.
Dies war das letzte Modell vor der Einführung des Rolls-Royce Silver
Shadow, der wegen seiner selbsttragenden Karosserie Veränderungen nur mit
Mühe erlaubte. Deshalb wurde eine vollständige Chassis-Serie aus der
Produktion des Vorgängermodells noch in der Zeit nach der Vorstellung des
Neulings über mehrere Monate bei Mulliner Park Ward mit Sonderaufbauten
versehen. Damit sollten solche Kunden zufriedengestellt werden, die Altbewährtem
den Vorzug gaben.

Rolls-Royce Silver Cloud III
Erst mehr als ein Jahr nach der Vorstellung des Rolls-Royce Silver
Shadow trat Mulliner Park Ward mit einem Coupé zu diesem Typ an die Öffentlichkeit.
Für die Linienführung verantwortlich zeichnete Bill Allen, der in der
Styling-Abteilung von Rolls-Royce in enger Zusammenarbeit mit dem
Chefdesigner John Polwhele Blatchley wirkte. Bevor das entsprechende
Cabriolet vorgestellt werden konnte, ging ein weiteres Jahr ins Land. Zunächst
als die zweitürige Ausführung zum Basismodell bezeichnet, erfuhren die
Typen eine Aufwertung, als sie ab 1971 mit dem Modellnamen
"Corniche" abgegrenzt wurden.
So wie dieser Name auf ein Merkmal der Cote d`Azur Bezug nimmt, nämlich
auf die reizvoll gewundenen Küstenstraßen der französischen Riviera,
war dem Süden Frankreichs auch der Name "Camargue" entlehnt.
Ihn trug ein zweitüriges Coupe nach Entwurf von Pininfarina, dessen
Technik ebenso wie die Grundabmessungen mit dem Basismodell Rolls-Royce
Silver Shadow übereinstimmten. Die Fertigung des Rolls-Royce Camargue (es
ist nur ein einziger Bentley Camargue im Werk gebaut worden) wurde nach
der Vollendung der ersten 178 Exemplare nach Crewe ins Stammwerk verlegt.
Es hatte sich nämlich eine Arbeitsteilung ergeben, die jeder
rationalen Überlegung Hohn sprach: Die Rohkarossen wurden in London
aufgebaut und dann auf LKW verladen, um über eine erhebliche Distanz ins
Stammwerk befördert zu werden. Sobald sie dort mit den
Antriebskomponenten ausgerüstet worden waren, ging es zurück nach
London, wo die Abschlußarbeiten zwecks Fertigstellung ausgeführt wurden.
Die Rolls-Royce Corniche und die zunächst gleichnamigen Bentley, die
ab 1982 mit der Namensgebung Continental abgegrenzt worden waren, wurden
weiterhin in gleicher Weise im Stückwerkverfahren komplettiert. Der enorm
hohe Preis für die zweitürigen Cabriolets war daher nicht allein bedingt
durch den wesentlichen Anteil an teurer Handarbeit, sondern ganz erheblich
auch durch eine Fertigungsmethode, die wirtschaftliche Grundsätze außer
Acht gelassen hat. Traditionelle Handarbeit dominierte noch beim Aufbau
der zweitürigen Cabriolets Rolls-Royce Corniche und Bentley Continental.
Mit dem Bau dieser Modelle und des Rolls-Royce Phantom VI war in der
Fabrik in London ein Mitarbeiterstamm beschäftigt, der mit der Schließung
zum Ende 1991 um mehr als 500 reduziert wurde auf einen Rest von 90
Karosseriebauern. Deren Aufgabe war nicht mehr der Aufbau kompletter
Fahrzeuge, sondern sie wurden im Werk Acton nördlich von London
eingesetzt, um nur noch die Blechhüllen zu formen, die dann ins Stammwerk
nach Crewe gingen zur Endfertigung. Auch dieser Einsatz war zeitlich
begrenzt, denn mit Auslieferung des letzten Rolls-Royce Corniche IV in
1996 wurde die Modellreihe eingestellt.
Schon die Aufgabe der Fabrik in London hatte einen drastischen
Einschnitt bedeutet. Denn mit der Arbeitseinstellung im letzten
Unternehmensteil, wo in großem Rahmen traditionelle Karosseriebaukunst
Mitarbeiter in Lohn und Brot hielt, ging auch der ernste Verlust von
Kenntnissen und Fähigkeiten in einem Handwerkszweig einher, der über
viele Dekaden für das Erscheinungsbild des motorisierten Verkehrs prägend
gewesen ist. Zunächst sah es so aus, als bliebe der Name Mulliner Park
Ward vornehmlich aus Marketinggründen erhalten. Aber mittlerweile ist die
Karosseriebauabteilung mit neuen Leben erfüllt - den geändertem Ansprüchen
des Marktes entsprechend angepaßt. Hier werden die Sonderwünsche der
anspruchsvollen Kunden umgesetzt und Rolls-Royce bietet ganz bewußt die Möglichkeit
für so individuelle Anpassungen, daß sich jemand sein Auto als Einzelstück
bauen lassen kann. Es deutet sich ab und zu sogar wieder eine Trennung der
Traditionsnamen an: Mulliner wird den Sondermodellen von Bentley
zugeordnet und Rolls-Royce in Sonderausstattung werden bewußt mit dem
Namen Park Ward in Verbindung gebracht.
Zurück
zur "Highlights"-Seite |