Ein Jahr nach dem Ende des I. Weltkrieges gründeten W.H. Park und C.W.
Ward ihr Unternehmen mit der klaren Zielsetzung, Karosserien für
Automobile zu bauen. Dies markierte einen klaren Unterschied zu den
etablierten Karosseriebaubetrieben, die fast ohne Ausnahme auf
Entstehungsdaten zurückblickten zu Zeiten, als es nur pferdegezogene
Kutschen gab. Indessen war die Kritik, antiquierte Techniken aus dem
Kutschenbau könnten nicht ohne Nachteile für die Fertigung von
Automobilaufbauten übernommen werden, keineswegs abwegig. Autos konnten
in viel höheren Geschwindigkeitsbereichen bewegt werden als Kutschen, die
leistungsfähigen Motoren erlaubten erheblich größere Dimensionen und
die Betriebsbedingungen verlangten zwangsläufig nach entsprechender
Abstimmung zwischen Chassis und Karosseriekörper.
Es war durchaus eine Geste anerkennenden Vertrauens für das 1919 von
Park und Ward gegründete Unternehmen, daß bereits ein Jahr später der
erste Rolls-Royce Silver Ghost in den
Werkshallen zwecks Ausstattung mit einer Karosserie stand. Qualität
allein ist nicht zwangsläufig Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Schon
1924 befanden sich die Partner in Finanznot und konnten das Problem nur
durch Aufnahme von Fremdkapital lösen, was im neuen Firmennamen Park Ward
& Co. Ausdruck fand.

Rolls-Royce Phantom I, #47EH, 1928 Park Ward Landaulette
Anläßlich eines seiner eher raren Besuche in der Londoner
Verkaufsniederlassung von Rolls-Royce stieß der Chefingenieur F. Henry
Royce rein zufällig auf einen am Straßenrand geparkten Wagen mit
Karosserie von Park Ward. Er war beeindruckt von bis ins Detail
sorgfältigen Design ebenso wie von der Arbeitsausführung. Sofort nach
der Rückkehr in sein Konstruktionsbüro schickte er H.I.F. Evernden,
einen engen Mitarbeiter, zu Park Ward nach Willesden. Dessen Besuch kam
überaus gelegen, denn Park Ward befand sich schon wieder in finanziellen
Schwierigkeiten. Aus dem Kontakt mit Rolls-Royce resultierten eine Reihe
von Aufträgen, die das wirtschaftliche Überleben sicherten. In sorgsamer
Abstimmung mit den Konstruktionsbüros, die F.Henry Royce in West
Wittering und an der Cote dAzur in Frankreich eingerichtet hatte - denn
bereits seit der Zeit vor dem I. Weltkrieg hatte der Chefingenieur von
einer Ausnahme abgesehen keinen Fuß ins Werk gesetzt - realisierte Park
Ward die Umsetzung neuen Ideen. Zum Beispiel wurden voluminöse hölzerne
Pfosten für die Türaufhängung durch schlanke Ausführungen aus Stahl
ersetzt. Das sparte Gewicht und erlaubte bessere Rundum-Sicht. Schritt
für Schritt entwickelte Park Ward statt eines aus Holz gefertigten
Skeletts für die Aufnahme der Karosserieteile einen aus Stahl und
erlangte dafür 1936 Patentschutz. Die Neuentwicklung verband größere
Stabilität mit dem Schutz vitaler Teile gegen vorzeitige Alterung, denn
Holz ließ viele Wünsche offen, vor allem, wenn Feuchtigkeit einwirkte.

Rolls-Royce 20 H.P., 1927, Park Ward Faux Cabriolet
Die Kooperation zwischen dem Karosseriebauer und dem Autohersteller
bewährte sich. Eine ganze Reihe von Aufbauten für Prototypen, sogenannte
Experimental Cars, entstanden. 1930 lag der Anteil von Aufbauten für
Rolls-Royce Chassis bei mehr als 90 % der Produktion von Park Ward. Zwei
Jahre später kam es zu einem Vertrag, verschiedene Aufbauten in Serien zu
bauen, als eine Art von Standard-Karosserien für Rolls-Royce. So
erhielten Kunden die Möglichkeit, einen Rolls-Royce komplett fahrbereit
und ausgestattet direkt aus dem Verkaufssalon mitzunehmen. In der
Konsequenz wuchs die Produktionsziffer beträchtlich und zu Spitzenzeiten
wurden pro Woche 8 Aufbauten allein für Bentley fertiggestellt. Aber
statt Kooperation herrschte jetzt völlige Abhängigkeit und folgerichtig
wurde Park Ward 1939 von Rolls-Royce übernommen.

Bentley Mk VI, 1951, #B102KM, Park Ward Two Door Saloon
Nach dem Interim des II. Weltkrieges wurde die Fertigung wieder
aufgenommen. Obwohl nach außen hin weiterhin ein eigenständiger
Karossier, wurden ausschließlich Rolls-Royce und Bentley eingekleidet. Es
existieren Rolls-Royce aus der frühen Nachkriegsperiode in erheblicher
Anzahl, deren äußeres Erscheinungsbild schon damals als ziemlich
altmodisch beurteilt worden sein muß, denn Park Ward beharrte auf Styling
mit starken Anklang an Vorkriegsdesign. Eine radikale Neu-Orientierung
erfolgte erst mit den sportlichen Linien für einige Cabriolets auf
Chassis Bentley R Continental und den folgenden Bentley
S Continental in den fünfziger Jahren. Diese Schöpfungen erfreuten
sich damals großen Zuspruchs und genießen als gesuchte Stücke heute
unvermindert hohe Wertschätzung.

Rolls-Royce Wraith, 1949, #WHD11. Park Ward Limousine
Mit Aufbauten in Form von Cabriolets und Coupés für Alvis-Automobile
unternahm Park Ward den Versuch, das Geschäft auszuweiten. Alvis hatte
die Zeichnungen und die hölzernen Karosserieformen des Schweizer
Karosseriebauers Hermann Graber aus Wichtrach bei Bern erworben. Der erste
Versuch von Alvis scheiterte, als mit dem Karosseriebauer Willowbrook die
Zusammenarbeit scheiterte. Beim zweiten Versuch war Alvis erfolgreicher,
denn bei Park Ward wurden während vieler Jahre Seite an Seite mit
Rolls-Royce und Bentley auch Alvis karossiert.
Als Rolls-Royce 1959 den Karosseriebauer H.J.
Mulliner aufkaufte bedeutete das keineswegs das Startzeichen für
hausinterne Konkurrenz. Die beiden Karosseriebau-Divisionen Park Ward und
H.J. Mulliner wurden nur solange eigenständig geführt, wie es brauchte,
um die Voraussetzungen für den Zusammenschluß unter dem Namen H.J.
Mulliner, Park Ward zu schaffen.
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